Bouldern – Klettern ohne Seil

Mein ganzer Körper war angespannt, ich fixierte den Griff mit meinem Blick, während meine linke Hand – schweißnass wie sie war – von dem anderen Griff langsam abrutschte. Aber ich wollte es schaffen – nur noch dieser eine Griff und der Boulder war geschafft. Ich spürte jede Faser meines Körpers, dann gab es einen Ruck und ich stürzte von der Kletterwand. Es waren nur sechs Griffe und trotzdem war ich gescheitert.

Wer das erste Mal bouldern war, kennt diese Gedanken. Die Kletterwände sehen kinderleicht zu erklimmen aus, jedoch kommt man ohne Schnell- und Maximalkraft nicht weit. Zwar sind die Routen kürzer als beim normalen Klettern, man benötigt also weniger Ausdauer, aber dafür ist der Schwierigkeitsgrad wesentlich höher. Auch mein erstes Bouldern brachte mich stark ins Schwitzen, obwohl ich mir einen möglichst leichten Boulder – also eine einfache Klettergrifffolge – gesucht hatte. Ziel ist es jedoch, gerade schwere Klettergriffe oder sogar Sprünge auszuprobieren – dabei sind der eigenen Fantasie keine Grenzen gesetzt. Vor allem ohne vorgegebene Start- oder Topgriffe, sollte man sich schon im Vorhinein überlegen, welchen Weg man auf dem Boulder einschlagen möchte. Ist man sich noch unsicher, probiert höhere Boulderrouten oder Routen im Überhang aus, sollte man sich spotten lassen: Ein am Boden stehender Partner kann den Sturz in Richtung Crashpad lenken und eine Landung auf dem Rücken verhindern.

Bouldern im Freien

Das Bouldern in der Halle ist dabei die perfekte Vorbereitung für den Kletterspaß im Freien. Denn hier ist man noch durch Crashpads (z.B. erhältlich von Mammut), spezielle Schaumstoffmatten, vor einem harten Aufprall gesichert. Die besten Adrenalinkicks kann man sich dann als geübter Boulderer auf den griffigen Felsen in der Natur holen. Am Anfang sollte man in Absprunghöhe bouldern, hat man dann jedoch schon die entsprechenden Muskeln gestählt, ist der Highball, also das Überschreiten der normalen Absprunghöhe, ein unvergessliches Erlebnis. Der gesamte Körper ist bis ins Äußerste angespannt, die Konzentration befindet sich auf dem Höhepunkt, man ist völlig auf seinen eigenen Körper und seine Muskeln sowie Willenskraft angewiesen. Für den, der seine eigenen Grenzen austesten möchte, ist das Bouldern genau das Richtige. Besonders geeignet für den Highball sind Küstengebiete: Falls man doch mal stürzt, fängt einen das kühle Nass auf.

Wer jetzt Lust aufs Bouldern bekommen hat, sollte unbedingt das Boulderado Fontainebleau besuchen. Die Sandsteinfelsformationen in der Nähe von Paris bieten für Anfänger bis Fortgeschrittene beste Bedingungen und Schwierigkeitsgrade bis zu 7a.

Herkunft des Boulderns

Um 1900 wurde dort von den so genannten »Bleausards« das Bouldern entdeckt und voll ausgekostet. So wundert es auch nicht, dass hier der erste Boulderparcours der Welt eröffnet wurde. Die vielen hintereinander folgenden Boulderrouten bieten Abwechslung und Kletterfreude für jeden. Auch Tessin in der Schweiz ist ein beliebtes Ziel für das Bouldern.
Als absoluter Profi beim Bouldern sollte einem die »Feuerwalze« in der Schwäbischen Alb ein geläufiger Begriff sein. Als einer der schwersten Boulder wurde die Feuerwalze erst dreimal bewältigt. Erstbegehung war im Jahr 2000 von Harry Röker. Jedoch brauchte es dafür monatelanges Ausprobieren und oftmals das Scheitern am letzten Griff. Schmerzende Hände und Sehnen, Hautschürfungen und Prellungen sind Verletzungen, welche beim Bouldern entstehen können.

Als Belohnung stärkt diese Outdoor-Sportart nicht nur die Muskeln, sondern auch die Nerven. Denn Ruhe zu bewahren und sich die Boulder genau zu durchdenken ist unerlässlich, wenn man ohne größere Gefahren bouldern möchte. Das Gefühl, eine besonders schwere Boulder hinter sich gebracht zu haben oder sogar zu flashen, (einen Boulder beim ersten Versuch durchklettern), ist dabei ein unersetzliches, unbeschreibbares Gefühl, was jeder einmal ausprobieren sollte.


Kategorien: Outdoor Wissen

2 thoughts on “Bouldern – Klettern ohne Seil”

  1. Ahsoka sagt:

    Wow,hört sich wunderschön an…

  2. Richard sagt:

    Zuerst dachte ich an Free-solo als ich “Klettern ohne Seil” gelesen habe. Es gibt doch kein besseres Klettertraining als Bouldern zu gehen. Danke für den interessanten Beitrag :-)

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